Gedanken zu(m) FRAUEN(-tag)

Ich möchte einmal meine Gedanken niederschreiben, denn wie ich finde, hat der Frauentag nicht den Sinn, Blumenverkäufe etc. in die Höhe zu treiben. Ich finde, er hat einen tieferen Sinn als nur den eines Tages, der Männern seltsame und ungeschriebene, indirekte Verpflichtung auferlegt, kleine Geschenke zu machen.

 

Zuerst möchte ich erinnern, wie viele Frauen auf dieser Welt leider noch immer im Vergleich zu Männern einen, von Gesetzen, Religion oder gesellschaftlichen oder familiären Normen und Werten, niedrigeren, um nicht bewertend „schlechteren“ zu sagen, Status genießen. Wie viele Frauen noch nicht selbstbestimmt über ihr Leben, ihre Heirat, ihre beruflichen Ziele und vor allem ihre körperliche Unversehrtheit entscheiden können, wie viele Frauen noch nicht sicher und gleichberechtigt leben können.

 

Ich bin daher natürlich sehr froh, dass ich das Glück habe, in einer Gesellschaft geboren und aufgewachsen zu sein, in der Frauen und auch Männer schon viele gute Schritte taten, die zu Gleichberechtigung führten.

 

Und doch gibt es noch immer viel zu viele unsichtbare Grenzen, die Frauen eben von dieser tatsächlichen Gleichberechtigung abgrenzen und leider auch noch immer viel zu viel Gewalt gegen Frauen. Aber auch die Anerkennung dessen, was Frauen für die Gesellschaft, die Wirtschaft, die Gerechtigkeit und nicht zuletzt die Familien tun, hätte durchaus noch Entwicklungspotential.

 

Eine Statistik sagt:
„…Frauen leisten viel mehr unbezahlte Arbeit (31 Stunden pro Woche) als Männer (19,5 Stunden pro Woche), ... Würde unbezahlte Arbeit aufgrund des Kriteriums der Bezahlung ausgeklammert, würde die stärkere Belastung von Frauen durch Tätigkeiten außerhalb der Erwerbsarbeit vernachlässigt, was zu falschen Schlüssen führen würde.“ (Statistisches Bundesamt zit.nach Arbeitspsychologie. Bamberg, Eva. 2012. Hogrefe Verlag.Göttingen)

 

Viele Frauen gehen verkürzt arbeiten, weil sie viel mehr unbezahlte Arbeit im Sinne von Kinderpflege, Kindererziehung, Familienorganisation, Familien(zeit)absicherung und allgemein diesen nicht immer „finanziell produktiven“ Arbeiten absichern. Diese Arbeit wird eingestuft als gesellschaftlich wertvolle Arbeit, von hohem gesellschaftlichem Nutzen – aber ist eben eine unbezahlte Form der Arbeit. Darum haben viele Frauen im Rentenalter geringere Einkünfte, obwohl sie oft in Summe gerechnet, mehr als 40 Stunden / Woche einer "Arbeit" nachgingen. Wenn man allein die Stunden rechnet, die Frauen ihre Kinder versorgen, sie stillen, waschen, mit ihnen Probleme wälzen, sie zum Sportvereinen etc. fahren, mit ihnen Klamotten kaufen gehen, ihnen und ihren Familien gesundes Essen zur Verfügung stellen, im Wartezimmer sitzen und warten, sie trösten, mit ihnen über Liebeskummer und Streitigkeiten mit ihren Freunden diskutieren, Hausaufgaben begleiten, Hausaufgabenhefte und Schulranzen kontrollieren, u.v.m…. All das sind leider immer noch Tätigkeiten, die Frauen zusätzlich zu ihrer beruflichen Tätigkeit ausführen und die sie genauso ausbrennen lassen. Sie bleiben zu Hause, wenn die Kids krank sind, Arbeit bleibt liegen, Arbeitgeber und Kollegen haben z.T. nicht immer Verständnis und dann am Ende verdienen sie weniger Geld, was ihnen natürlich an der Rente fehlt. Letztlich aber finanzieren doch unsere Kinder und Kindeskinder dann den Lebensabend und andere soziale Leistungen auch derer mit, die nie für Kinder gesorgt haben. Und es spiegelt sich in der Gesellschaft wieder, was vormals von Eltern, und vielleicht in großem Maße von Müttern, in die Kinder an Liebe und Zeit investiert wurde. Vielleicht ist der Nachwuchs, sind unsere Kinder, eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste Triebfeder unseres gesellschaftlichen Lebens. Welchen Sinn machte das alles, wenn keiner nachkäme. Wie oft kommen Männer nach einem Arbeitstag nach Hause, an dem sie die schreienden Kinder, leidige Diskussionen mit pubertierenden Kindern, nicht mitbekamen, während Frauen tausend kleine Arbeiten im Haushalt verrichteten, so manchem der Familie etwas hinterher räumte, Essen kochte, Zettelchen für die Schule ausfüllte, …. Und er glaubt, sie hätte wenig Sichtbares im Haushalt getan, weil genau diese Arbeiten nicht direkt sichtbar werden.

 

Zudem können Frauen niemals so flexibel arbeiten, da Kinder nicht immer allein gelassen werden sollten, da sie die Unterstützung und Fürsorge der Eltern, Zuhören und Geborgenheit, für ihre gesunde Entwicklung eben brauchen. Sie können nicht einfach mehrere Tage über Nacht auf Dienstreisen gehen, schaffen es selten ins hohe Management oder in große Positionen mit hohem Rang und Namen, einfach weil sie zu Hause benötigt werden und eben nicht so flexibel dem Arbeitgeber, dem Job zur Verfügung stehen können. Sie müssen den Spagat halten zwischen einer guten und verlässlichen Arbeitskraft, und viel wichtiger, einer liebevollen und verlässlichen Mutter. Sie haben demzufolge eben doch nicht die beruflichen Möglichkeiten, die auch den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Status nicht ganz unwesentlich mitbestimmen.

 

Oft stehen Frauen stark hinter ihren erfolgreichen Männern als unsichtbare Stütze, halten ihnen den Rücken frei für einen flexiblen Einsatz im Job. Doch wer zahlt ihnen die Differenz zum Einkommen der Männer? Vor allem heute, wo Ehe wohl aus der Mode gerät, es nur „Lebensgemeinschaften“ gibt, die keine gemeinsame Rentenabsicherung aus dem sozialen System erarbeiten, obwohl sie über Jahre als gemeinsam veranlagt gelten. Die Frauen sitzen am Ende ihres Lebens, nach unzähligen Stunden gesellschaftlich und wirtschaftlich ganz wesentlicher aber eben unbezahlter Arbeit in ihrer kleinen Wohnung. Sie beziehen verhältnismäßig kleine Renten trotz vieler harter Jahre der Arbeitstätigkeit, Kindererziehung, Haushaltspflege, Familienmanagement und stetiger unauffälliger Unterstützung ihres Langzeitlebensgefährten, nicht vergütet für das, was sie in ihrer Lebenszeit an wichtiger Arbeit getan haben.

 

Ich will damit um Himmels Willen nicht die Arbeit vieler fleißiger Männer in den Schatten stellen. Nicht die Männer allgemeingültig verurteilen, Männer die eine wertschätzende Grundeinstellung zu den Frauen dieser Welt und ihrem Wirken haben. Auch Ihr Männer seid wichtig und sicher steht der Großteil hinter und neben ihren Frauen und stemmt mit ihr die wichtigen Lebensaufgaben. Aber ich möchte vielleicht gern einmal erinnern, achtsam zu sein mit der Arbeit, die Frauen leisten auch wenn sie nicht immer direkt sichtbar ist. Mit all den Stunden, in denen Mütterlichkeit die Kinder zu selbständigen Erwachsenen entwickelt, mit Momenten, in denen sie still und leise organisieren, damit das Konstrukt der Familie im Alltag funktioniert, achtsam gegenüber den kleinen Ideen und kreativen Gestaltungen, die Wärme, Gemütlichkeit, Farbe und Licht in viele Zuhause bringen. Achtsam gegenüber all den kleinen nicht sichtbaren aber doch manchmal ermüdenden Arbeiten, die Frauen im „unbezahlten Fulltime-Nebenjob“ erledigen. Ich möchte nur für mehr Wertschätzung werben, gegenüber Frauen überall auf der Welt, denn ohne sie, gäbe es uns genauso wenig, wie ohne die Männer dieser Welt. Schätzt einander und steht nebeneinander, respektiert Eure Verschiedenheit als Bereicherung und nicht als Grund für Herabwürdigung oder Abwertung.

 

A. Krafczyk
Reinsdorf, 08.03.2017